
Der Buchautor Marco von Münchhausen, ein Ur-Ur-Ur-Ahn des “Lügenbarons” gleichen Namens, war auf Einladung der NW in der Stadthalle zu Bielefeld zu Gast und referierte über sein Buch* Dabei fiel wohl auch der Satz, warum “wir” wissen, dass Osama bin Laden tot sein. Es “stünde in der Zeitung”.
Nun wollte ich nicht näher auf die Veranstaltung eingehen, der ich nicht beiwohnte, aber genau diesen Satz aufgreifen. Schließlich steht er ja so in der Zeitung. Folglich ist er so wahr, wie der Berichtsschreiber Mattias Tonhäuser ihn verstanden hat und zitiert.
Woher weiß die Zeitung das mit Bin Laden? Weil “dpa/AFP/ANSA/Reuters/ITAR-TASS” und wie sie alle heißen, das ja gemeldet haben.
Frage: Waren die dabei? Antwort: Nein.
Warum schreiben sie dann so, als ob es die einzige Wahrheit wäre? Weil sie Regierungsnachrichten verbreiten.
Brechen wir das mal runter auf hiesige Verhältnisse, hiesige Zeitungen. Die bekanntlich zu ganz großen Teilen ebenfalls aus bearbeitetem Material der Agenturen bestehen, über die es bei “Wikipeda” heißt:
Nachrichten- und Presseagenturen (nicht zu verwechseln mit Nachrichtendiensten) liefern Nachrichten, die Informationen über aktuelle Ereignisse enthalten, als vorgefertigte Meldungen für Massenmedien zur Verwendung in Zeitungen, Internetportalen und Nachrichten-sendungen. Die Presse- und Nachrichtenagenturen spielen im weltweiten Nachrichtenfluss eine zentrale Rolle. Heutiger Journalismus wäre ohne Nachrichtenagenturen kaum möglich. Über 180 Nachrichtenagenturen gibt es zurzeit weltweit; die meisten von ihnen beliefern nur den Pressemarkt ihres eigenen Landes. In Deutschland gibt es aus historischen Gründen besonders viele Presseagenturen.
Ist also der Tod von Bin Laden nun wahr, “weil er in der Zeitung stand”? Wohl kaum. Das Puzzlebild, das schnelle Medien wie TV, Radio und vor allem Internet zeichnen, zeigt letztlich nur: Keiner weiß wirklich etwas wirklich Wahres. Keiner hat wirkliche, authentische Bilder. Nahezu jeder unterliegt der Macht der Bilder, die einen in szenierten Obama am Ground Zero zeigen und vor allem einen Eindruck erzeugen sollen:
“Leute atmet auf. Der Präsident hat die Wahrheit”
Wie widersprüchlich die minutenschnell sich änderenden Meldungen der Agenturen, der Nahrichtens enden usw. wirklich sind, wird debei verdrängt. Wiederum übertragen auf lokale Verhältnisse: Das Interesse der meisten heutigen Zeitungen ist zu allererst dem wirtschaftlichen Erfolg des Verlages geschuldet. Die Reportage, das Bild, das Interview mit z.B. einem Ladeninhaber an der Obernstraße zieht wie das Amen in der Kirche den Anzeigenvertreter des Verlages auf den Plan. Man kann sicher sein, der soeben porträtierte Mensch tut genau das, was Zeitungen schon ewig tun: Er schaltet seine teure Anzeige im Blatt, das am anderen Tag zum Gemüseeinwickeln verwendet wird. Möglichst 3 mal, weil er dann Wiederholungsrabatt bekommt.
Warum tut er das? “Ich stand schließlich in der Zeitung. Da glaubt man mein schönes Angebot jetzt”.
Nun gut. Glauben wir das einfach mal. Oder? Unglaublich ist, daß es aus den “Verlagen der Wahrheit” auch Tassen mit Logo, Rabattkarten, T-Shirts. Kalender und sonstiges “Merchandising-Material” gibt.
Extrem glaubwürdig.
* Marco von Münchhausen
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