Erhebung Dämmstandard der Gebäude in Jena
Bezug: Anschreiben der Stadtwerke Jena zur Erstellung eines Wärmeatlas und
Einer Nachricht auf der Titelseite vom 28.04.2011 der TLZ
Ohne das ich an der wohlwollenden Absicht des Vorhabens zweifeln möchte, nehme ich dies zum Anlass, um hinsichtlich der vielfältigen und umfangreichen Vorhaben zum Klimawandel meinen Standpunkt zu äußern.
Alle Aktionen zu dieser Problematik laufen vor dem Hintergrund, dass die zivilisierte Menschheit durch übermäßigen CO2-Ausstoß in absehbarer Zeit eine dramatische, nicht mehr lebensfähige Klimaerwärmung erzeugen würde. Also kam die politische und alternativlose Entscheidung: Alle(?) Prozesse mit CO2-Ausstoß sind kurzfristig zu ersetzen bzw. wesentlich zu reduzieren.
Um es gleich vorweg zu nehmen: Ich bestreite den Sinn und Nutzen der vorgelegten Konzepte der Bundesregierung und der Stadt Jena im genannten Kontext mit dem Ziel, „einer umweltschonenden, zuverlässigen und bezahlbaren Energieversorgung der Zukunft“ zu erreichen.
Begründungen (Auszug):
- Nationale Maßnahmen (aktiv):
a. Hybridauto-höhere Kosten und Energieverbrauch bei Herstellung sowie Recycling und bei der Nutzung; Subventionierung ist zu erwarten!
b. E10-Benzin-Schadstoffenergetisches Nullgeschäft, aber intensiver Preistreiber; Ethanol-Herstellung mit Mais verkarstet die Böden. Auf diesen Flächen gibt es keine Wintersaaten, nur Mais ab Mai, und leichte Böden haben keinen Schutz gegen Sonne und Wind. Folge: Sandsturm am 8.4.11 auf der A19 mit Massenkarambolage und 8 Toten.
c. Photovoltaik- hoher Energieverbrauch bei Herstellung und höhere Kosten bei der Nutzung als gleichgebrauchswertige Fahrzeuge; Subventioniert mit Erhöhung des Verbraucherpreises
d. Verkehrspolitik: Systematische Vernachlässigung des Güterverkehrs: Pro Tkm Bahn emittieren im Vergleich zu schweren Lkw nur rund ein Drittel der Kohlendioxydmenge!
e. Geplante Reform der Dienstwagenbesteuerung: begünstigt Fahrzeuge mit hohen CO2-Emissionen
f. Privatisierung der Post: mehrere Anlieferungen an einen Briefkasten mit erhöhtem Schadstoffausstoß
g. Biomaterial als Brennstoff: Förderung der Monokultur – negative Umwelteffekte für Gewässer und Boden. Zur Herstellung von 1 kg Stickstoff werden ca. 4 Ltr. Öl gebraucht.
h. Energiesparlampen, die Lampen, die ausschließlich bei Nutzung weniger verbraucht. Die Gefahren durch hochgiftige Stoffe und die hohen Herstellungs- und Recyclingkosten bleiben unzulässig unberücksichtigt (wie beim Atomstrom).
i. Überbewertung von Solar- und Windstrom; Warum es in Afrika kaum Solar-anlagen gibt fragt sich niemand, aber intensiv wird ein Nordafrika-Solarkraftwerk vorbereitet. Wird hiermit die umweltschonende und bezahlbare Energieversorgung gebaut? Wasserkraft, gerade günstig wo kein Windrad steht, wird nicht beachtet.
j. Mit der betriebenen Angebotspolitik wird Verschwendung per se gefördert, also die Produktion von Waren, die (noch oder überhaupt) nicht gebraucht werden. Eine dominierende Nachfragepolitik ist (energie-)sparsamer und sozialer für die Gesellschaft.
k. Die Bereiche Militär und Baumaschinerie werden wie Außerirdische ausgeklammert.
l. Großbauten, die fragwürdig sind und viele Schadstoffe ausstoßen, werden sichtbar gefördert. Merkwürdig: Diejenigen, die den CO2-Ausstoß massiv verringern wollen, stehen bei Großbauten als treibende Kraft.
m. Billigstrompreise für Sonderabnehmer mit zunehmender Tendenz mit nur 27% zum Haushaltstarif fördern nicht die Reduzierung von CO2-Emissionen
n. Kopfloser Totalausstieg aus der Atomstromgewinnung (einzig in der Welt); „Kugelhaufenreaktortechnik“: Ein fast gefahrloses Mini-AKW: Deutschland hatte in den 80iger Jahren die absolute Führung in der Welt auf diesem Sektor.
o. …
- Nationale Maßnahmen (passiv, d.h., nicht genutzt):
a. Wo bleibt das 3 Liter Auto seit Mitte der achtziger Jahre?
b. Tempolimit auf Autobahnen (D letztes Land in Europa)
c. Energiepolitische Strukturpolitik: Wie Sie wissen, verbraucht die derzeitige zentrale Energieversorgung über 20 % der gesamten Energie durch Leitungs- und Schaltungsverluste. Das entspricht etwa dem gesamten Atomstrom. Jedoch gibt es keine einzige politische Bestrebung zur dezentralen Energieversorgung! Warum wohl?
d. Wirtschaftliche Strukturpolitik: Produkte, die keine Marktlücke füllen und hohen CO2-Ausstoß binden, erfahren keine Zollbelastungen. Holzkohle aus Paraguay/Argentinien kostet weniger als solche aus dem Holzland. Ein Liter Flaschenwasser Volvic von Frankreich nach D produziert über 600x mehr CO2 als Leitungswasser .. usw. usf. …
e. Förderung neuartiger Technologien: Antriebe mit Wasserstoff, Brennstoffzellentechnik usw.
f. …
- Kommunale Maßnahmen:
a. Wetterstationen, Modellprojekte, Wärmeatlas usw. senken den CO2-Ausstoß nicht und werden ihn nicht senken, solange unsere verschwenderische Lebensweise nicht stigmatisiert und verändert wird. Wie werden diese Maßnahmen finanziert, wo doch überall Geld der Kommune fehlt?
b. Kommunen und ihre Wirtschaftseinheiten sollten die besseren lokalen Bedingungen bei der Nationalpolitik vortragen und zum Erfolg bringen
c. Solange in Jena die Ampeln zum König der Verkehrsregelung gehören, fehlt es an der Glaubwürdigkeit des Zieles und der Berechtigung der unter a) genannten Maßnahmen. Kreisverkehr ist selbstregelnd.
d. Zweifelhaft erscheint mir z. B. die Installation von digitalen Geschwindigkeitsschildern. Ist es Verschwendung oder können die Tachos eingespart werden? (Reserven gäbe es noch in der zweisprachigen Beschriftung, später akustisch, der Ampelfarben über deren Bedeutung!)
e. Solange widerspruchslos in öffentlichen Gebäuden eine Klimatisierung eingebaut wird (Westbahnhof), scheint alles andere ein Schaukampf zu sein.
f. Die zielsuchenden Aktivitäten der Stadt zur Errichtung einer zweigeschossigen Tiefgarage am Eichplatz bedeuten beim Bau und Betrieb dieser Garage erhöhte CO2-Emissionen. Alternative: Parkplätze nur für Wohnungsmieter.
g. …
Fazit: Überall wo Subventionen für die Wirtschaft fließen scheint dringender Bedarf zur Reduzierung von CO2-Emissionen zu bestehen. Alles andere kann der kleine Mann direkt und zusätzlich bezahlen.
Gerade jetzt ist es wichtig, auch über dieses Thema zu reden und wenn nötig, sachlich zu streiten. Leider konnten die bisherigen Medieninformationen meine Vorbehalte nicht entkräften.
PS: Deutschlands maximaler Wirkungsgrad von 0,0004712% CO2 kostet 50 Mrd. Euro/Jahr
„Wer noch rechnen möchte: Also, 0,038 Prozent C02 sind in der Luft; davon produziert die Natur 96 Prozent, den Rest, also vier Prozent, der Mensch. Das sind dann vier Prozent von 0,038 Prozent also 0,00152 Prozent. Der Anteil Deutschlands hieran ist 3,1 Prozent. Damit beeinflusst Deutschland 0,00004712 Prozent des C02 in der luft. Damit wollen wir die Führungsrolle in der Welt übernehmen. was uns jährlich an Steuern und Belastungen etwa 50 Milliarden Euro kostet.“
DR.-ING. URBAN CLEVE, DORTMUND
(Leserbrief, erschienen in der FAZ vom 14.01.2010)
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