Wikileaks gelöscht, aber Wirkung der Veröffentlichungen ungebrochen hoch
Dezember 4, 2010 von NEWS HANNOVER
newhannover.2.ag
Nach der Veröffentlichung von 250.000 Dokumenten wurde Wikileaks von einer Sekunde auf die andere zur gejagten Seite. Besonders Amerika ist dieser Internetplattform überdrüssig geworden. Zu viele Enthüllungen, zu viele geheime Informationen, die an die Öffentlichkeit drangen. Während Wikileaks nun Asyl auf Servern in Europa sucht und der Chef Julian Assange per Haftbefehl verfolgt wird, gehen der Hype und die Aufregung rund um Wikileaks weiter.
Seit Freitag gibt es www.wikileaks.org nicht mehr. Will man dennoch auf die Seite, dann muss man die direkte Adresse eingeben. Doch der Verbot und das Löschen der Adresse bringen eigentlich gar nichts. Die Hälfte der Dokumente wurde verschlüsselt an Personen geschickt, die allesamt unbekannt sind. Des Weiteren wurden ebenfalls Dokumente an diverse Zeitungen und Blätter geschickt, die noch weitere Enthüllungen veröffentlichen könnten.
Julian Assange wird gejagt. Er wird per Haftbefehl gesucht, konnte aber bisher noch nicht festgenommen werden, weil ein Formfehler im Haftbefehl, Scotland Yard die Hände band. Assange hält sich derzeit noch in Südengland auf, es bleibt spannend, wann er verhaftet wird. Grund, weshalb er vor Gericht soll, ist eine angebliche Vergewaltigung. 2 Schwedinnen hatten ihn im August angeklagt, er weist jegliche Schuld von sich.
Was hinter diesem ominösen Haftbefehl steckt ist nicht ganz klar, auf jeden Fall riecht es stark nach der Arbeit von Regierungen, besonders der amerikanischen, die den unangenehmen Assange aus dem Verkehr ziehen wollen. Doch Assange scheint mindestens genauso schlau, wenn nicht noch ein bisschen schlauer als seine Gegner, denn er droht mit weiteren Veröffentlichungen und der Enthüllung weiterer geheimnisse, sollte ihm oder den namentlich bekannten Mitarbeitern etwas zustoßen.
Was die Veröffentlichungen zur Folge haben, ist derzeit gut verfolgbar. Man ist sich gegenüber noch misstrauischer als sonst, manche Politiker müssen sich harten Charakteristiken stellen und manch eine Regierung muss nun zittern, ob es die Situation noch auf dem diplomatischen Weg retten kann. Die amerikanische Regierung wurde bloß gestellt. Wer solche Korrespondenzen führt, muss damit rechnen, dass es irgendwann ans Licht kommt.
Die Aufregung ist derzeit sehr groß, aber warum? Regt man sich auf, weil die Wahrheit ans Licht kam und nun ganz offiziell gezeigt wird, welches Spiel viele Regierungen spielen oder regt man sich auf, weil die amerikanische Armee bloß gestellt wird und mehr oder wenige offene Geheimnisse ans Tageslicht kommen, die jeder kritisch Beobachtende schon vorher ableiten konnte? Es ist nicht ganz klar.
Klar ist nur, dass gerade auch durch die Veröffentlichung dieser Dokumente wieder Diskussionen entfacht werden, die schon bisher ziemlich hitzig geführt wurden. Als gutes Beispiel sei hier Afghanistan genannt: Größtes Problem ist die Korruption in den Regierungskreisen, die eigentlich durch Karsai bekämpft werden soll. Ganz schlecht dabei ist, dass Karsai selbst so tief in der Korruption verstrickt ist, dass er sich nicht den Ast abschneiden wird, auf dem er sitzt.
Die Einsatztruppen können die Korruption nicht bekämpfen, sie können nur auf dem Schlachtfeld weiter ihr Leben riskieren, um die Taliban zu besiegen, was aber definitiv nichts bringen wird, weil eine korrupte Regierung das Land schneller wieder in den Abgrund stürzen dürfte, als irgendetwas anderes.
Neben dem Dilemma in Afghanistan, dass auch schon vor Veröffentlichung der Depeschen immer und immer wieder für Aufregung und Diskussionen sorgte, kommen dann noch Enthüllung hinzu, die die Sicherheit in Nahost derzeit extrem gefährden.
Obwohl die Vereinigten Arabischen Emirate gerade wieder sehr bemüht sind, ihr Interesse am Handel und der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit dem Iran zu bezeugen, dürfte Ahmadinedschad nun vorsichtiger geworden sein. Zu wissen, dass das saudische Königshaus den Sturz des Regimes von den USA fordert und dass auch Bahrain in den Reigen deren einsteigt, die eine amerikanische Militäroffensive begrüßen, lässt das Verhältnis nun noch gespannter werden.
Dass Ägypten nun die Angst vor dem Iran und der Reaktion Ahmadinedschads nutzt, um anzukündigen, ebenfalls Atomwaffen zum Schutz herzustellen, klingt ziemlich lächerlich und durchschaubar. Auch Ägypten strebt ein Atomprogramm an, hat es aber auch schon vor Veröffentlichung der Dokumente, nur jetzt hat die Regierung bessere Gründe.
Assange meint, die Geschichte siegt: Wird sie definitiv auch. Die Frage ist nur, ob es nicht für manche Zusammenhänge sinnvoller gewesen wäre, man hätte besser auf eine Veröffentlichung der Meinung der amerikanischen Botschafter verzichtet, denn nun könnten einige Konstellationen wirklich mehr als gefährlich werden. Das hat rein gar nichts mehr mit einem Rachefeldzug gegen die Regierung zu tun, sondern das geht soweit, dass neue und intensivere Krisen heraufbeschworen werden.
Es hat alles seine Vor-und Nachteile. Man weiß nun, wie die amerikanischen Vertretungen denken und welche Einschätzungen sie nach Hause schicken. Was neu daran ist, ist das in den nächsten Wochen Skepsis gegenüber amerikanischen Diplomaten aufkommen wird, aber auch das wird verfliegen, denn fast jede Regierung hat Dreck am Stecken und scheinbar funktioniert Politik im großen Rahmen nur mit Lug und Trug.
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Eeur NEWS HANNOVER Team
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