
Karikatur in der NW von heute
Man muss Roland Koch nicht mögen und erst recht nicht lieben, aber ganz sachlich betrachtet verlässt mit ihm ein sehr kluger Kopf und zugleich ein äußerst qualifizierter Querulant die politische Bühne. Die Entscheidung des 52-Jährigen verdient Respekt. Der Schritt, alle politische Ämter auf einen Schlag aufzugeben, wird dem Vollblutpolitiker nicht leicht gefallen sein. Die Art und Weise, wie er es getan hat, passt zu Koch, einem der letzten konservativen Krawallpolitiker, die die CDU noch in ihren Reihen hat. Koch, der gerne die verbale Keule schwang, nie ein Blatt vor den Mund nahm, Mahner und Kritiker in einer Person war, hat für einen politischen Paukenschlag gesorgt, dessen Klang bis nach Berlin reichte. Der Gong war sogar so heftig, dass er bis in die Vereinigten Arabischen Emirate unüberhörbar gewesen sein dürfte. Bis zur Bundeskanzlerin, die sich dort auf Auslandsreise befindet. Somit passt die Wahl der Bekanntgabe genau zu Koch. Ausgerechnet, als seine größte Rivalin nicht im Land ist, nutzt er die politische Bühne. Die Frage, warum der 52-Jährige alles hinwirft, ist gar nicht so schwer zu beantworten. Roland Koch hat alles erreicht, was für ihn politisch möglich ist. Elf Jahre lang regierte er in Hessen. Der Machtpolitiker hat alle Stürme überstanden. Sogar der eine oder andere Orkan konnte ihn nicht stoppen. Koch befindet sich auf dem Höhepunkt seiner politischen Karriere. Der 52 Jahre alte Wirtschaftsjurist strebt zwar nach mehr, aber Angela Merkel lässt das nicht zu. Die Kanzlerin schätzt bedingungslose Loyalität. Die hat Koch seiner Chefin nur bedingt entgegengebracht. So konnte der Querkopf und Kritiker Koch nicht Karriere machen – ebenso wenig wie Friedrich Merz und Edmund Stoiber und mit Abstrichen auch nicht Günther Oettinger, den Merkel
geschickt auf dem EU-Abstellgleis parkte, weil er ihr ebenfalls zu laut war. Koch ist jemand, der auf der großen politischen Bühne
mitmischen möchte – nicht nur in Hessen. Aber er zählte eben nicht zu Merkels Vertrauten. Er stand wie Oettinger im Abseits, war
kaltgestellt. Koch musste sich als lame duck gefühlt haben, als lahme Ente, die nicht mitlaufen darf. Angela Merkel hat mit folgenden Worten auf den Rückzug reagiert: »Roland Koch war mir immer ein guter, freundschaftlicher Ratgeber. Wir werden auch in Zukunft fest auf seinen Rat bauen.« Ein Schelm, der dabei Böses denkt. In Wahrheit war Merkel immer der Koch und Koch nur der Kellner. Roland Kochs politische Karriere ist zu Ende, aber an beruflichen Ambitionen mangelt es ihm gewiss nicht. Er wird weiter eine mächtige Rolle spielen – egal, ob als Wirtschaftsboss oder als Jurist. Seine politische Meinung wird auch künftig gefragt sein – nur nicht von Angela Merkel. Seine Rivalin wird er im Auge behalten. Koch bleibt in Lauerstellung und kommt vielleicht zurück. Irgendwann.
Liebes Westfalen-Blatt. Angesichts der bundesweiten leicht verklärten Elogen auf einen populistischen Politiker sei mal angemerkt, daß die watschelnde arrogante und beratungsresistente Mutti aus Templin noch auch den Hüter der jüdischen Vermächtnisse der Union geschafft hat. Die Frage sei erlaubt, was weiß die Ostfrau, die niemals ein politisches Amt in den Bundesländern bekleidete und eigentlich keine Hausmacht außer den Stiefel – und Speichelleckern vom Schlage Maiziere, Kauder oder Pofalla hat, wirklich über alle die, die auf dem Felde der Schlacht um die Macht in der CDU im Staube liegen? Die Tochter des Pfarrers der einst von West nach Ost ging und mit dem DDR-Regime paktierte wird immer unheimlicher.
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