Die FAZ goutiert in ihrem sonntäglichen .Net einen Auftritt des jungen Herrn von und zu und weg und hoch und seitwärts eingesprungen sich drehenden Barons aus dem Fränkischen. Ort des Geschehens ist der Berliner Platz im Millionärsdorf Kronberg/Ts., also vor den Toren der Mainmetropole. Bei der Lektüre weiß man nicht, soll man nun grinsen, kichern, die seltsam bürgerlich-spießig-biedere Kernklientel ob ihrer Kaschmir-Denke und der “Ich-hab-schon-mal-gelebt-weiß-aber-nicht-genau-wie-leben-ohne-formale-Vorschriften-geht-Attitüde”:
Am Rand des Platzes ein Kernfamilienvater, dem die Natur die kantige Schädelform geschenkt hat, die ihm die vollendete Imitation seines Idols erlaubt. Die Haare zurückgekämmt, so dass sie den Quaderschädel betonen. Nadelstreifenanzug mit Weste, rosa-weiß gestreifte Krawatte mit passendem Einstecktuch. Randlose Brille. Beim Warten ein Bild der Nonchalance: Mit der einen Hand raucht er einen dünnen Zigarillo, mit der anderen krault er das Haar seines zappeligen Sohnes. Die blonde Gattin im rosa Pullover mit rosa Handtasche. Jeans der Marke „Victoria Beckham – Rock and Republic“. Heute ist Rock and Nobility angesagt.
Guttenberg, durch das Bad in der Vasallität euphorisiert, stürmt vorbei, Augen blitzend, Zähne gebleckt, und stößt als Dank, Gruß und Versprechen den lachenden Schlachtruf einer männlichen Walküre aus: „Ha, ha, ha, ha, ha!“ Sogar die Kragenspitzen weisen kampfeslustig nach oben, als säße ihm ein Hirsch im Brustkorb wie in einem Film von Lars von Trier.
Der Baron zu Guttenberg ist der Held eines Bürgertums, das die Erbschaftssteuer abschaffen und die private Kranken-
versicherung retten will und es für einen Skandal hält, wenn die Kinder keine Empfehlung fürs Gymnasium bekommen. Applaus in Kronberg für Elterngeld und Herdprämie – Subventionen für den bürgerlichen Lebensstil. Eine der Blasen, die in der Finanzkrise geplatzt sind, ist die meritokratische Legitimation der Lebenschancenverteilung. Wo bürgerliche Privilegien kaum noch durch Verdienste zu rechtfertigen sind, wird der Adel zum Vorbild, der seine naturgegebenen Vorrechte in ästhetisches Kapital umgemünzt hat.
Wir hier draußen in der Diaspora der Republik, mit OWL und Bielefeld sozusagen im Kernschatten der Macht, verloren zwischen Ruhrgebiet und Hannover, wo Ernst-August unsere Huldigung empfangen könnte, vielleicht noch der Schaumburg-Lippe dazwischen in Bückeburch, wir werden wohl nie in den “Genuß” eines Gutti-Auftrittes kommen. Dabei lägen erlesene Klamotten bereit. Von Brioni zB. Da können wir hier gut mithalten. Wir würden Sie schon standesgemäß umrahmen. Denkt der junge Herr Baron doch ganz öffentlich darüber nach, aus der Politik “fortzugehen”.
Es wäre einfach zu traurig, Gutti. Worüber schrüben wir, die BUNTE und vor allem Gutti-Klon Kai Diekmann in der BLÖD denn dann? Tun Sie uns das nicht an. Werden Sie bitte OPEL-Chef und führen Sie die Butze in die Insolvenz und dann ins Chrab. (Grab).
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