sueddeutsche.de: Es gibt ein Bild, das zeigt Angela Merkel Anfang der neunziger Jahre, mit anderer Frisur, mit einem Rock, sitzend in einer ostdeutschen Fischerhütte mit drei Fischern. Wenn Sie sich nun die Politikerin mit Sektglas inmitten von 30 Ackermann-Freunden im Kanzleramt vorstellen, ist diese Wandlung mit dem Begriff der déformation professionelle ausreichend beschrieben?
Morlock: Ja, aber nicht im strengen Sinne. Es ist ein Aufsteiger-Phänomen, das hier zu besichtigen ist. Gerhard Schröder im edlen Anzug mit Cohiba-Zigarre …
sueddeutsche.de: … der Brioni-Kanzler, hieß es damals …
Morlock: … das ist genau das gleiche Phänomen. Es kann wie jetzt bei Frau Merkel dazu führen, dass die Grenze zwischen Amtlichem und Privatem überschritten wird. Man kann und darf Politikern nicht persönliche Freundschaften untersagen, und auch Politiker brauchen in der Wirtschaft Gewährsleute, auf die sie sich verlassen können. Aber es muss eine Grenze geben.
Parteienrechtler Martin Morlock im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung zu den drei momentan aktuellen politischen Entgleisungen “Ackermann-Sause im Angie-Bunker”, “vuzGutti läßt Gesetze von Kumpels schreiben”, “Ullallas Dienstwagenaffäre”.
Warum regen wir uns auf. Bananenrepubliken haben wenigstens Bananen für ihr Volk. Da sind wir hier ja noch bananiger dran, wir haben nur Spitzelei, Zensur, Abhörungen und Vorratsdatenspeicherungen. Brauchen Bananenrepubliken nicht. Hier wird der oberste Bankgauner, der für ein Verkloppen eines Großteils der deutschen Giftpapiere an heute weitestgehend pleitige Banken zuständig ist (“25% Rendite”) zum Dank für die Erpressung des Staats und der dämlichen Verantwortlichen noch belohnt und im Kanzleramt gebauchpinselt.
Dazu passt auch eine Anmerkung eines Lesers auf den “Nachdenkseiten“, die das Thema ebenfalls behandeln:
Anmerkung unseres Lesers J.B.: Während Ulla Schmidt in einem regelrechten Spießrutenlauf durch die Medien fertig gemacht wird, darf Merkel vom privaten Syltflug zwecks privater Buchvorstellung im Regierungsjet bis hin zu Ackermanns 60. Geburtstag ungestraft auf Staatskosten ausrichten?
Wenn für zusätzliches externes Servicepersonal Ausgaben in Höhe von 2100 Euro anfielen, dann kann man sich nur zu gut vorstellen, was der Gesamtetat dieses Spektakels des Klüngels war! Diese politische Kungelei sprengt inzwischen alle Vorstellungen! Demokratie? Besser wäre wohl „Korporatokratie“, wie es John Perkins in seinem Buch „Bekenntnisse eines Economic Hit Man“ richtigerweise ausdrückte.



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