
Früher mal, als es für Arbeitende mehr als abgenagte Knochen gab, war der 1. Mai ein “Kampftag”. Der “Tag der Arbeit”. Heute wird müde belächelt, wer in DGB-Rot auf die Straße geht und die Trillerpfeife gegen den Neokapitalismus an die schmal verfkniffenen Kurzarbeiterlippen setzt. Wer von denen weiß schon, daß der “1. Mai” 1886 in den USA “erfunden wurde?
Der Deutsche Gewerkschaftsbund, jene zur klammheimlichen Freude der Kannegiessers, Hundts und Keitels unserer Zeit so arg geschrumpfte Organisation, schreibt auf seiner Seite selbst zur Geschichte:
Die Vorgeschichte begann zum Ende des Bürgerkriegs 1865, als die amerikanischen Gewerkschaften erstmals die Forderung nach der Einführung des Acht-Stunden-Tags erhoben. Bis in die 1860er Jahre galten in den meisten US-Betrieben Arbeitszeiten von elf bis 13 Stunden, erst dann konnten sie den Zehn-Stunden-Tag als Regelarbeitszeit durchsetzen. Es sollten weitere beinahe zwanzig Jahre vergehen, bis sie 1884 die allgemeine und verbindliche Durchsetzung einer täglich achtstündigen Arbeitszeit in Angriff nahmen. Sie beschlossen, am 1. Mai 1886 dafür einen mehrtägigen Generalstreik zu führen. Noch stand nicht der Termin, sondern die Forderung im Mittelpunkt.
Der Grund für die Terminwahl war ein völlig banaler und wenig zur Mythenbildung geeignet: Der 1. Mai galt in den USA traditionell als “Moving day”, als Stichtag für den Abschluss oder die Aufhebung von Verträgen, häufig verbunden mit Arbeitsplatz- und Wohnungswechsel. Der Acht- Stunden-Tag sollte in die neuen Verträge aufgenommen werden. Dafür traten am 1. Mai 1886 rund 400.000 Beschäftigte aus 11.000 Betrieben der USA in den Streik, aber nur für 20.000 Arbeiter konnte er wirklich durchgesetzt werden. Diesen bescheidenen Erfolg überschatteten die Ereignisse in Chicago. Die Kundgebung am dortigen Haymarket endete in einem Desaster. Nach Darstellung der Polizei warfen Anarchisten eine Bombe auf die anwesenden Beamten, der sieben Polizisten zum Opfer fielen. Vier anarchistische Arbeiterführer wurden, obwohl keine Beteiligung am Anschlag nachgewiesen werden konnte, zum Tode verurteilt und gehenkt.
Der blutige Vorfall konnte den Kampf für den Acht-Stunden-Tag nur vorübergehend unterbrechen. Im Dezember 1888 erklärten die in St. Louis versammelten Gewerkschaftsdelegierten, unter ihnen zahlreiche deutschstämmige Einwanderer, am 1. Mai 1890 erneut Streiks und Kundgebungen durchzuführen. Die Bewegung war nicht auf die USA begrenzt, im selben Jahr forderten zum Beispiel auch die französischen Gewerkschaften die Einführung des Acht-Stunden-Tags.
Und so bin ich denn gespannt, wie viele Opelaner und Millionen anderer Gebeutelter oder in Vorfreude auf die baldige Beutelung Stehender heute auf die Straße gehen. Statt mehr Fleisch am Knochen stehen die Aussichten eher auf noch wneiger. Da kommt die Mexico-Grippe wie gemacht und bestellt. Dämpft die Lust auf Demonstration. Angst essen Seele auf.
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