
Das “Handelsblatt” beschäftigt sich mit den “Neuen Nöten der Bankmitarbeiter”: Bankmitarbeiter werden gesellschaftlich geächtet, haben schlaflose Nächte, Depressionen und Panikattacken – das Finanzdebakel hat in den vergangenen Monaten tiefe Spuren in der Psyche eines ganzen Berufsstands hinterlassen. Quelle: Handelsblatt
Auf den “Nachdenkseiten” findet sich dazu eine kritische Anmerkung, der man durchaus folgen kann: Der Artikel konzentriert sich auf die Nöte von Bankmitarbeitern ohne Entscheidungsbefugnisse. Dieser Abschnitt ist besonders interessant, weil das Handelsblatt damit bestätigt, dass die Banken aus der Krise nichts dazugelernt haben: „Die Institute haben in den Filialen die Ziele für das laufende Jahr festgelegt. Die Debatte über die Folgen der Krise, darüber, welche Lehren die Banken daraus ziehen sollten, rückt in den Hintergrund”. Öffentlich üben sich die Manager zwar noch in Demut und geloben Besserung. Intern ist aber alles beim Alten. „Als sei die Krise nur ein kleiner Ausrutscher gewesen“, sagt der Personalrat einer Sparkasse. Die Bankenexperten von Verdi formulieren es dramatischer: „Die Zustände im Vertrieb sind schlimmer als jemals zuvor, Zielvorgaben wurden sogar erhöht.“
Und dann gibt es noch die Masse der verblendeten Jungidioten, die an der “Frankfurt School” zu neuen Gaunern ausgebildet werden. Dazu das Handelsblatt:
Weltweit verlieren Tausende der einstigen Geldvermehrer ihren Job, weil sie Risiken unterschätzt haben. Die Meister des Universums haben sich als windige Experten entpuppt. Bei den jungen Menschen, die hier in der Frankfurt School zu den Geldjongleuren von morgen ausgebildet werden wollen, ist die Bewunderung für die Bankenwelt – mag sie noch so angeschlagen sein – völlig intakt. Das Finanzdebakel tut der Euphorie über den Beruf keinen Abbruch. „Es gibt nicht zu viele Investmentbanker, sondern zu wenige gute“, sagt einer der Studenten, „Risiken muss man künftig kreativer managen.“ Einer seiner Kommilitonen ist ebenfalls optimistisch: „Die guten Jahre werden wiederkommen.“
Diese Sicht färbt auf den Nachwuchs ab. „Leute, die was können, werden immer gebraucht“, sagt Melinda Saatmann, eine 19-Jährige aus einer Kleinstadt östlich von Frankfurt. Sie will hier ihren Bachelor in Betriebswirtschaft machen. Jetzt steht sie mit ihrer Mutter im Innenhof der Schule an einem Teich und gönnt sich eine Zigarettenpause. Weiß sie, was der Job in einer Bank bedeutet? „Klar, man muss verkaufen können. Das kann ich, ich hab’ in einem Klamottenladen gejobbt.“ Und ihre Mutter ergänzt: „Die Stellen in Banken sind krisensicherer als in anderen Branchen, man lässt Banken nicht insolvent gehen.“ Sie verzieht nicht das Gesicht. Ihr Satz war kein Stück ironisch gemeint.
Diskussionen? Fragen? „Execution only“ steht oft über den Schreiben, mit denen Produkte vorgestellt, Verkaufsoffensiven eingeläutet werden. Und wenn ein Bankberater doch Zweifel anmeldet, vielleicht sogar kritisiert, dass man nicht Verkäufer und Berater in einer Person sein könne, bekommt er Antworten wie: „Wir sind eine Bank, wir verkaufen Finanzprodukte, wenn der Kunde Beratung will, muss er zur Verbraucherberatung gehen “, berichtet einer, der es wagte, seinem Chef zu widersprechen.
Es sind vor allem die älteren Mitarbeiter, die damit kämpfen, die noch andere Zeiten kennen, als Bankberatung den Nimbus hatte: sicher, seriös, sauber. „Die Jüngeren haben weniger Hemmungen, Teil einer Drückerkolonne zu sein“, erzählt ein Betriebsrat, „die sind schon entsprechend ausgesucht worden.“ Die Älteren macht der Job dagegen mitunter krank.“
Kann man daraus einen anderen Schluss ziehen, als dass ohne stärkere und bessere Regulierung keine Krisenprävention möglich ist?
Spricht man heute mit Bankern oder Sparkasslern stellt man ab einer gewissen Ebene fest: Doof wie immer, dumm wie immer, arrogant wie immer. Der Nadelstreifen sitzt, die blasierte Nase trägt man hoch wie eh und je. Man will in diesen “Kreisen”, wo Hütchenspielen, Abzocken, Bescheißen und Betrügen Teil des Berufsbildes ist, nichts lernen. Änderung des Systems? Mitnichten. “Jetzt erst recht drauf, was das Zeug hält”, scheint die neue Devise zu sein. Solange der Eine oder Andere nicht tatsächlich hinter schwedischen Gardinen sitzt, wird sich in dieser Schar der Charakterlosen nichts ändern.
Es ist keine Frage der großen Masse der kleinen Bankangestellten sondern der kleinen Masse der großen vorgesetzten Gauner. Da wollen sie hin, die neuen jungen Idioten in Nadelstreifen. Der Tanz ums goldene Kalb, wo man mit ganz wenig Aufwand und anderer Leute Geld Unsummen an Luft umsetzen und Unsummen an Boni abgreifen kann, geht in eine neue Runde. Politische Regulierung in Sicht? Aber warum denn. Grad sammelt Hochstirn und Chefversager Steinbrück 300 Millionen, um Aktionären eine HRE abzukaufen, die NullKommaNull wert ist und ein paar hundert Milliarden Schulden hat. Also pleiter als Pleite. Würden Sie ein solches Geschäft auch nur im Traum andenken? Sehen Sie. Steinbrück, der nicht nur diesen Schuß nicht gehört hat, tut es. Wie systemimmanent doof darf man eigentlich sein? Wo ist die Grenze, ab der die weiße Jacke mit den Ärmeln nach hinten offiziell angefordert werden kann?
Artikel kommentieren »