
Es galt, den Geburtstag des ungeizigsten Schwaben zu feiern, den wir kennen. Natürlich in Schildesche, bei seinem Lieblingsitaliener De Sia (Come no!). Bei Köstlichkeiten, Wein, Wasser, Grappa entspannen sich Gespräche, wie sie derzeit wohl das Gros der Deutschen umtreibt: Finanz”krise”, Konjunktur, Bankster, die Rolle der Medien. Am Tisch neben einem brasilianischen Gast – er mag bei uns am liebsten “Malteser” – ein ehemaliger Textilunternehmer, ein Paar, das in größerem Umfang Schweine mästet, ein Reisebürounternehmer, der Schwabe sowie die bessere und schönere Hälfte mit dem Schreiber.
“Krise” wird wohl das Unwort des Jahres, neben der bescheuerten charakterlosen Rolle der Medien, deren tägliche Schwarzmalerei offensichtlich gewaltig auf den Zeiger geht. Berichte über Umsatzrückgänge, die man “irgendwie kompensiert” machten die Runde. Das Lokal summte, jeder Tisch voll besetzt, die mediterrane Grillplatte ein Volltreffer. Das Kompliment an Donato de Sia, er “koche einfach zu gut”, machte den unprätentiösen Meister der Pfannen und Töpfe und des Pizzaofens verlegen. “Grazie, molto gentile”, meinte er nur.
Es ging gegen Mitternacht, als die Compania aufbrach und die Wägen die elend lange Jöllenbecker unters Gummi nahmen. Die Auswärtigen staunten über die hochgeklappten Trottoirs zu beiden Seiten der Via Principale, die schon Kaisers gesehen hat und heute den großen alten Norden der Metropole von Mitte aus touristisch erschließt.
Ein schöner Abend. Zeitgemäße Themen. Quando ci rivediamo? (“Wann sehen wir uns wieder?”) Nachts sieht man der Königin der Brachflächen ihre Plattheit nicht an. Vom Ossidamm grüßt an aufdringlich-erleuchteten Puddingrührerwerbeschildern vorbei die trutzige Sparrenburg, der ICE nach Hannover/Wolfsburg (Fubabuli-Tabellenführer und Bayern-Bezwinger)/Magdeburg/Berlin Hauptbahnhof windet sich wie ein Lindwurm Richtung Hauptbahnhof. Irgendwo an Niedern – und Sudbrackstraße dichten sich die Zeilenschinder bereits neue Überschriften aus, das angebliche Kriegsgeschehen zu beschreiben. Was derzeit überhaupt nicht schwierig ist.
Obama hat….
Obama macht….
Obama sagt….
Obama setzt durch….
Obama flirtet mit Murkel….
Obamas Frau berührt die Unberührbare….
Obama segnet die Welt ….
Obama rettet….
Obama versetzt in Verzückung…
Obama fährt jetzt kostenlos Opel….
Was würden wir nur ohne die idiotischen Phantastereien der immer unsäglicheren Papierjournalisten und TV-Laberer machen? Ganz einfach. Der “Krise” sagen: “Leck mich am Arsch. Geh dahin, wo Du gezeugt wurdest. Aber laß uns in Ruhe”. Geht aber nicht. Die Zeilenschinder werden uns morgen Früh schon wieder Headlinen.
Es war kühl geworden. Aus dem Autoradio klang Adriano Celentanos Hit “Una festa sui prati…..”
Artikel kommentieren »