Was echauffiere ich mich eigentlich noch über heimischen Journalismus, wenn es solch ein Kloblatt wie den SPIEGEL gibt? Seit die SpringerBertelsmannMohn-Mischpoke ihre Krallen auf den Verlag gelegt hat, ist der Weg steil nach unten vorgezeichnet. Der heutige “Beitrag” über den neuen Wirtschaftsminister zu Guttenberg ist so ziemlich das Bescheuerteste, was man sich in der an Bescheuertheiten seit einiger Zeit reichen BILD für “Intellektuelle Eliten” geleistet hat. Bitteschön, hier ein paar Ausschnitte über den Franken, der bisher aber auch so gar nichts geleistet hat außer stets perfekt gegelt zu sein:
Der neue Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat wie sein Vorgänger von Ökonomie wenig Ahnung, erlebt aber bislang einen Höhenflug ohne Beispiel.
Der BMW bügelt die A 9 Richtung Berlin glatt, als Karl-Theodor zu Guttenberg zwischen Leipzig und Dessau die letzten Tage schließlich doch einholen. “Boah”, sagt er und reckt sich auf der Rückbank, so gut es geht. “Jetzt kommt aber die Müdigkeit!” Solange man keine wirklichen Pausen habe, merke man das gar nicht so sehr. Erst wenn man sich mal wieder zu Hause im eigenen Bett ausgeschlafen habe. Er greift in eine Tüte saurer Stäbchen und schiebt ein Dextro Energy hinterher.
Kein PR-Stratege hätte sich so eine Figur ausdenken können, ohne sich lächerlich zu machen. 800 Jahre Adelsgeschichte in die Wiege gelegt, eine vornehme Vornamenskette, einen Verbündeten der Hitler-Attentäter um Stauffenberg und einen Staatssekretär im Stammbaum. Er ist mehrsprachig, heimatverbunden und weltläufig, hat eine Bismarck zur Frau und eine Dogge, die Freddy heißt.
Die Arroganz, die viele an ihm feststellen, könnte im Auge des Betrachters liegen. Man kann ihn anders kaum ertragen. Guttenberg ist das männliche Pendant zu Familienministerin Ursula von der Leyen. Ein wandelnder Vorwurf, eine Zumutung an Perfektion.
Er selbst nennt sich auch lieber demütig. Ja, er empfinde Demut. Demut, weil sich sein Ehrgeiz mit Fügung paare. Demut, weil er Deutschland dienen dürfe. Demut vielleicht auch davor, dass der Zufall oft ein wunderbarer Regisseur ist. Finanzkrise ist anderswo. Es ist eine Welt, die fernab ist von Börsenkursen, Derivaten, Cashflows oder Bonusdebatten.
“Wir denken, dass für dich der Weg nach oben weiterhin keine Grenzen kennt”, sagt Guttenbergs Parteifreund Hans-Peter Friedrich in der Skihütte. Es ist der zehnte Arbeitstag des neuen Wirtschaftsministers. Am Aschermittwoch bemerkt Horst Seehofer seehoferisch, in der Generation Guttenberg habe er sich seine eigene Nachfolge organisiert.
Guttenberg arrogant? Er ist ungebrochen. Es ist eine Arroganz des Intakten. Die Frage wird sein, wie er seinen ersten Bruch wegsteckt. Seinen ersten Fehler, seine erste Enttäuschung. All das wird kommen. Es sei denn, er wird schnell wieder was anderes. Verteidigungsminister zum Beispiel. Nach der Wahl.
So schreibt man das, wenn eine gut bezahlte PR-Agentur dahintersteckt. Da kommt wieder zusammen, was zusammen gehört. Dreck zu Dreck. Arroganz zu Arroganz. Fachliche Unkenntnis zu fachlicher Unkenntnis. Nein, es muß uns nicht bange sein um Deutschland angesichts solcher Journalisten wie dem Autor Christoph Schwennicke. Es gab Zeiten, da hätte Rudolf Augstein einen solchen Schreiberling persönlich aus dem Verlagshaus auf die Köhlbrandbrücke und dann ins Elbwasser befördert. Heute sitzen SpringerBertelsmannMohns da und herzen sich gegenseitig zu: “Nein, ist er nicht süß unser Gutti? Den machen wir zum Kaiser. Und seine herzige Frau von Bismarck wird die neue Kaiserin. Heil, Heil, Heil. Endlich Hoffung für die Wiederkehr der deutschen Monarchie”. Die niedlichen Tässchen aus der Köinglichen Prozellanmanufaktur zu Berlin klingeln Unter den Linden 1 beim Mocca aneinander.
Dabei habe ich das Wichtigste vergessen: Guttenberg ist aktiv in diesem Club tätig, was ihn natürlich zu ganz Hohem prädestiniert:
www.atlantische-initiative.org
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