Erinnern Sie sich? Am 9. Dezember konnten Sie hier lesen, dass ein großes Bielefelder Autohaus in die Insolvenz gegangen war. Plötzlich und unerwartet. Keiner konnte es ahnen. Man konnte nichts machen. Ach, doch- eines konnte man tun: Man konnte einer gutgläubigen Kundin 3 Tage zuvor noch ihr Geld abnehmen und dann konnte man (wahrscheinlich mit letzter Kraft) auch noch ihr Altfahrzeug, das sie in Zahlung gegeben hatte, entgegen nehmen. Ohne ihr allerdings ihren Neuwagen zu geben. Den kleinen, blauen. Den hatte nämlich die Insolvenz verschluckt. Ihr Geld auch.
Sie müssen wissen, es handelt sich um ein besonders dummes Exemplar von Kundin. Um eine, die dem Verkäufer geglaubt hatte, als er sie von Woche zu Woche vertröstete und ihr immer wieder versprach, ihr Auto werde in der darauf folgenden Woche geliefert werden. Die sogar geglaubt hatte, als dieses Aushängeschild des Autohauses ihr gesagt hatte, dass Opel wegen der zurückgegangenen Produktion nur noch einmal in der Woche Briefe drucken würde und dass ihr Neuwagen deshalb leider noch nicht zugelassen werden konnte.
Sie müssen wissen, diese Kundin ist nicht nur gutgläubig, sondern sie hat auch noch ein gutes Herz. Als nämlich der Geschäftsführer bei ihr anrief und sie inständig bat, den Redakteur, der sich für die Geschichte interessierte, zu stoppen, da eine Veröffentlichung seiner misslichen Lage für ihn eine Katastrophe bedeuten würde, da tat sie dies. Wegen des guten Herzens. Und weil er ihr versprach, alles, wirklich alles tun zu wollen, dass sie ihr schönes kleines blaues Auto doch noch bekäme.
Also vertraute diese Kundin dem unglücklichen Mann und wartete ab. Während sie gutgläubig wartete und darauf hoffte, dass ihre Anwältin etwas für sie erreichen könnte, ohne dem armen Mann das Herz zu brechen, liefen seine Geschäfte weiter. Mussten sie ja auch: Schließlich musste er Geld verdienen, um der gutgläubigen Kundin ihr Auto liefern zu können.
Alle Freunde und Bekannte versuchten, sie aufzuwecken und ihr zu sagen, dass sie ihr Geld und ihr noch funktionstüchtiges, wenn auch altes Auto unwiderbringlich verloren hätte. Ihre Brüder belächelten sie, wenn sie sagte, dass sie davon überzeugt sei, in allernächster Zeit würde ein Tieflader vorfahren, ihr das kleine neue blaue Auto vor die Tür stellen und der Geschäftsführer würde sich mit einem riesigen Blumenstrauß und einem Gutschein für die nächste Inspektion aufrichtig bei ihr entschuldigen.
Und weil wir in einer gerechten Welt leben, in der Anwälte sich für ihre Mandantinnen (auch für die Gutgläubigen mit den großen Herzen) bis zur Erschöpfung einsetzen, gab es plötzlich eine gute Nachricht: Sie sollte ihr Auto bekommen! Halt – nicht ihr Auto, sondern ein gleichwertiges. Hm. Ein gleichwertiges. Die Anwältin sprach von einem wenige Monate alten Fahrzeug mit einer minimalen Kilometerleistung. Und sie ermutigte die Kundin und Mandantin, sich das Angebot wenigstens einmal anzusehen.
Das hat sie getan. Und nun versteht sie die Welt nicht mehr. Man bietet ihr ein Auto,, dass, wäre es ein Kind, inzwischen mehrstrophige Lieder singen könnte, und, wäre es ein Marathonläufer, diese Strecke bereits etwa 420 Mal zurückgelegt hätte. Allerdings sollte es ihr viel mehr Luxus und Wohlgefühl bringen, als ihr eigentliches Wunschauto. Und vielleicht – aber nur ganz vielleicht – hatte es sogar schon einen Unfall. Obwohl der Verkäufer – Sie wissen schon, der wortkreative, der wahrheitsnahe Fantast, also obwohl dieser versicherte, das sei nicht so.
Hätte sie so ein Auto gewollt, hätte sie es sich kaufen können. An fast jeder Ecke dieser Stadt – allerdings für einen Preis, der um mindestens 2 Monatsmieten einer 3-Zimmer-Wohnung in Hoberge geringer wäre. Incl. Nebenkosten.
Und nun frage ich Sie: Was würden Sie tun? Nehmen, was Sie kriegen können? Die Kundin hat das Gefühl, dass sich in ihr etwas verändert. Ihr großes Herz wird kleiner und bekommt einen verkniffenen Ausdruck. Ihre Gutgläubigkeit ist irgendwie weg. An diese Stelle ist der intensive Wunsch nach Kontaktaufnahme mit dem zu Anfang genannten Redakteur getreten.
Ach ja, sollten Sie, lieber Herr Redakteur, dies lesen. Rufen Sie mich an. Meine Nummer haben Sie!





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