Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, setzten die Unternehmen des Gastgewerbes in Deutschland im August 2008 nominal 0,8% mehr und real 1,9% weniger um als im August 2007. Im Vergleich zum Juli 2008 war der Umsatz im Gastgewerbe im August 2008 nach Kalender- und Saison- bereinigung nominal 0,8% und real 0,6% höher. Dabei erzielten das Gaststättengewerbe (nominal + 1,3%, real – 1,0%) und das Beherbergungsgewerbe (nominal + 0,3%, real – 2,8%) im August 2008 nominal höhere, real aber niedrigere Umsätze als im Vorjahresmonat. Bei den Kantinen und Caterern wurde nominal und real weniger als im August 2007 umgesetzt (nominal – 0,6%, real – 3,2%). Betrachtet man den gesamten Zeitraum von Januar bis August 2008, setzte das Gastgewerbe nominal 0,9% mehr und real 1,6% weniger um als im vergleichbaren Zeitraum des Vorjahres.
Ach komm, ne oder? Rückgang? Wahrscheinlich war das Statistische Bundesamt noch nicht um unseren Gehrenberg rum unterwegs. Guckt mal in die Hühner äh Coffeeshops. Ja, da wo die Schaufenster wie in der Hamburger Herbertstraße Leute ausstellen. Voll, sag ich. Richtig voll. Bei der Latte, dem Dings – und dem Wums schauen sie Dich an. Die Leute wollen eben nichts mehr essen oder ihr Bierken trinken. Rausgucken und ablästern ist angesagt. Auf Bernsteins Höhen geht das eben nicht …..
Weiter mit den vielen Nachrichten aus den Newstickern. Heute hats die Journaille mit der “Bewältigung der Krise”. Die allzeit wohlfeilen und Richtung Berlin Liebedienerischen Gazetten feiern die “Rettungstat” der welken “Rose der Uckermark” und Bufinami Peer`ssens “Was habe ich gestern gesagt?” . Die meisten behalten aber klaren Kopf und sehen die grandiose Idiotie hinter der schalen Aktion. Zum Beispiel die “Börsenzeitung”:
Das Rettungspaket ist geschnürt, fast schon beschlossen und soll von Montag an zur Verfügung stehen. Schlingernde deutsche Banken und Versicherer müssten nur noch beherzt zugreifen, um sich selbst und damit den Finanzmarkt zu stabilisieren. Bleibt nur ein Problem: Keiner will gerettet werden. Vielmehr scheint sich das Finanzgewerbe verschworen zu haben, die angebotene Hilfe unter keinen Umständen anzunehmen: Rette sich, wer kann – vor diesem Rettungspaket!
Nicht einmal die LBBW, die der WestLB-geschädigte NRW-Finanzminister Helmut Linssen öffentlich bezichtigte, sie wolle “offensichtlich als Erste” den Finanzmarktstabilisierungsfonds nutzen, will etwas davon wissen. Der CDU-Mann muss entweder eine ausgeprägte rheinische Frohnatur sein oder ein politischer Geisterfahrer. Schließlich könnten solche Äußerungen eines hochrangigen Amtsträgers, ob nun witzig oder ernst gemeint, relevant
sein für Ratings und Refinanzierungskosten einer auf diese Weise im doppelten Wortsinn in Misskredit gebrachten Bank.
Denn das mag ja gerade der Clou am Multimilliardenpaket der Regierung sein: Wer Hilfe beansprucht, riskiert nicht nur den damit verbundenen Imageschaden, sondern vor allem tiefe Eingriffe etwa in die Geschäftsstrategie, die Dividendenpolitik oder – da geht es dann für Vorstände und Aufsichtsräte auch persönlich um viel Geld und Ansehen – in die Vergütung der Organe. Zudem muss das jeweilige Institut die Kosten der abgerufenen Stützungsmaßnahmen tragen und mittelbar weitere wirtschaftliche Nachteile wie beispielsweise über das Rating in Kauf nehmen. Wer diesen hohen Preis zu zahlen bereit ist, dem muss es wirklich schlecht gehen. Dann doch lieber: Rette sich, wer kann – und zwar selbst!
Banken und Versicherer sollten sich allerdings nicht zu sicher sein, dass sie darüber frei werden entscheiden dürfen. Es könnte nämlich auch die britische Methode angewendet werden: Die Finanzaufsicht verlangt eine höhere Mindestkernkapitalquote (z.B. 9%) und oktroyiert damit den Instituten eine bessere Kapitalausstattung; etliche deutsche Branchengrößen liegen heute teils deutlich unter 8%. Da der Markt frische Mittel kaum hergibt, könnte manches Haus letztlich gezwungen sein, sich aus dem Stabilisierungsfonds zu bedienen – und sich dafür die staatlichen Daumenschrauben anlegen zu
lassen. Aber solange es irgend geht, wird man in diesem Fall gerne der Konkurrenz den Vortritt lassen.
Selbst die meist Riegierungswohlwollende Düsseldorfer “Rheinische Post” läßt der Häme freien Lauf:
Angela Merkel sieht ihre Krisenintervention als Baustein einer neuen Weltwirtschaftsordnung mit sozialem Antlitz. Richtig an Merkels Analyse ist, dass die Krise eine neue Ordnung nach sich zieht. Falsch ist, dass Merkels Bausteine damit viel zu tun haben. Wir erleben vielmehr die Verlagerung der finanziellen und damit der politischen Weltachse gen Osten – nach Russland, Indien, China. Hier liegen die Milliarden, die die Stabilität der Finanzmärkte wiederherstellen halfen. Hier sind die Rohstoffe und die Märkte, die die ökonomische Entwicklung prägen. Hier entsteht die nötige Dynamik der Globalisierung. Die USA haben ihre Vormachtstellung vorerst eingebüßt. Schuld daran ist das Totalversagen ihrer politischen wie der ökonomischen Elite. Die Welt muss sich auf neue Leitmächte einstellen. Dass wirtschaftlicher Aufschwung auch ohne funktionierende Demokratie gelingen kann, ist dabei die bitterste Komponente der neuen Weltordnung. Ein verheerendes Signal für die Schwellenländer und all jene, die bislang das Gegenteil behaupteten. Deshalb ist zu wünschen, dass die USA ihre alte Kraft zur Selbsterneuerung bald neu entdecken. Und Merkels Deutschland in der neuen Welt? Es stolpert durch die Krise in die Rezession, ist dadurch unfähig, Strahlkraft als ökonomischer Modellstaat zu entwickeln. Altes Europa mit neuen Problemen.
Tja, da hätte die “Welke Rose der Uckermark” eben doch den Onkel Tieti, der schon als Bundesbankpräsident, dann im Aufsichtsrat der Hütchen- spielertochter DEPFA und im Aufsichtsrat der Hypo Real sonstwas nichts geschnallt hat, zum Entwickler einer neuen Ordnung machen sollen? Mal unter uns Pfarrerstöchtern: Bei St. Angelas Rede vorm Bundestag zogen sich irgendwie die Zehennägel hoch. Zuviel Valium?
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