In der NW liest man einen Fall, wie er in den nächsten Wochen und Monaten in Deutschland sicher noch weitaus häufiger auftreten wird. Dabei spielt der DID (Deutscher Inkassodienst) aus Hamburg ganz sicher eine eher unrühmliche Rolle. Hinter dem forsch auftretenden Unternehmen steht niemand anders als der Hamburger Großversender Otto, dessen Rechtsabteilung 1974 Keimzelle eines der heute größten Inkassounternehmen weltweit wurde.
Aber lesen wir weiter in der NW: Im Zuge der weltweiten Finanzkrise stehen zahlreiche Banken im Feuer. Viele von ihnen rufen nach staatlicher Hilfe. Der Steuerzahler soll ihre Milliardenlöcher stopfen, die durch haltlose Spekulationen entstanden sind. Auf der anderen Seite versuchen manche Geldinstitute offenbar, “redliche Kleinkunden nach bester kapitalistischer Manier bis zum letzten Hemd auszupressen”. Diesen Vorwurf hat jetzt der bekannte Bielefelder Rechtsanwalt Detlev Binder in einem Beschwerdeschreiben an den Bundesverband Deutscher Banken erhoben.
Binders harsche Kritik richtet sich konkret gegen die Citibank und betrifft einen Fall aus Ostwestfalen. Der Arbeiter Joachim Misz (54) aus Herford hatte im August 1993 mit der örtlichen Citibank einen Kreditvertrag über 42.000 D-Mark geschlossen. “Von dem Geld habe ich ein Auto und unsere neue Wohnungseinrichtung bezahlt”, erzählt Misz. Zunächst habe er die vereinbarten Raten von monatlich 928 D-Mark ohne Probleme aufbringen können. Doch dann habe er 1995 seine Tätigkeit als Arbeiter bei einem Betonhersteller verloren. Im Jahr 1999 habe er einen Herzinfarkt und später noch einen Bandscheibenvorfall erlitten.
Heute sind Misz und seine Ehefrau (48) nach eigenen Angaben Hartz-IV-Empfänger. “Mit einem Einkommen von 730,83 Euro im Monat liegt mein Mandant unter dem Pfändungsfreibetrag. Er müsste den alten Kredit eigentlich gar nicht mehr bedienen” , sagt Rechtsanwalt Binder. Trotz seiner wirtschaftlichen Notsituation habe Misz aber über all die Jahre “sein Bestmögliches getan, um die Verbindlichkeiten zu tilgen”.
“Das war für mich eine Frage der Ehre”, sagt Misz. Nach Darstellung von Rechtsanwalt Binder hatte Misz wegen der Arbeitslosigkeit mit der Citibank eine Einigung erzielt. Danach zahlte er Monat für Monat wenigstens 102,26 Euro zurück. “Trotz dieser redlichen Bemühungen des Kunden hatte die Citibank aber nichts Besseres zu tun, als Herrn Misz nach 15 Jahren wie ein Stück Ware zu verkaufen”, empört sich Binder. Zum Beweis dient ihm ein Brief an Misz vom 20. September dieses Jahres. Darin teilt der Deutsche Inkassodienst mit, dass die Citibank Privatkunden AG & Co. KGaA ihre Forderungen aus dem alten Kredit von 1993 nun an den Deutschen Inkassodienst verkauft habe und Zahlungen auf ein neues Konto zu leisten seien.
Doch damit nicht genug: “Nur einen Tag später, am 21. September, wurde Herrn Misz vom Inkassodienst eröffnet, dass nun die gesamte Restforderung in Höhe von 5.588,03 Euro fällig sei”, sagt Binder. Aus seiner Sicht “verstößt ein derartiges Verhalten gegen alle Grundsätze von Anstand und Moral”. Deshalb hat er eine Beschwerde an den Bundesverband Deutscher Banken geschickt. Von dort “gibt es zu konkreten Fällen keinen Kommentar”. Ähnlich äußert sich die Citibank in Herford. In ihrer Düsseldorfer Hauptverwaltung heißt es, man prüfe jeden Einzelfall und versuche, mit den Kunden “eine Lösung zu entwickeln” . Der Deutsche Inkassodienst wollte sich zum konkreten Fall ebenfalls nicht äußern. Er wirbt mit “maßgeschneiderten Lösungen” für seine Kunden. Dass Banken ihre Forderungen gegen notleidend gewordene Gläubiger an Inkassodienste verkaufen, sei heute “nichts Ungewöhnliches”, sagt eine Sprecherin der Bielefelder Verbraucherzentrale.
Wie gesagt. DID. Deutscher Inkassodienst. Otto-Gruppe Hamburg. Auf der einen Seite bekommen Kunden Riesenzahlungsziele, damit fleißig bestellt wird. Ändern sich dann die persönlichen Verhältnisse wie momentan extrem häufig, wird recht brutal zugelangt. Warum versendet Onkel Otto nicht einfach gegen Vorkasse oder Nachnahme. Und fertig? Weil Otto mit dem DID klotzig verdient. So isses nunmal im Kapitalismus.
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