Journalisten reagieren reflexartig. Ein kleines, bequemes Zerrbild der Wirklichkeit zu liefern, einen winzigen Ausschnitt, möglichst unkommentiert. Das ist moderner Medienhype. Erst mal stehen lassen und nach einer kurzen Verweildauer dann aufheizen. Nicht Objektivität ist die Leitschnur des Tuns sondern Sensationsgier, Krawallmacherei, Oberflächlichkeit. Damit läßt sich die Masse der Dummen, Unaufgeklärten, Gleichgültigen wunderbar lenken.
Episode am Rande: Der Schreiber stellte gestern in einem T-online-Forum den Satz ein: “Die hessischen Wahlen sind vorbei. An der Schlägerfront ist es merkwürdig still. Es gibt sogar Stimmen, die Schläger seien gezielt gekauft gewesen….”. So. Ein Sturm der Entrüstung prasselte ob dieses Satzes hernieder. “Keine Ehrfurcht vor den Schmerzen des geprügelten alten Mannes”, “Paß entziehen”, “So jemand ist für mich gestorben”. “Sie sind jetzt eine persona non grata für mich”. Abgesehen davon, das es mir egal ist, ob jemand, der von T-online kurz darauf ob seiner Pöbeleien und Unflätigkeiten für das Forum gesperrt wurde, mich “persona non grata” oder “Pommes gratin” nennt. Das widerliche Experiment war gelungen. Hype erzeugen, was andeuten und schon geht die Stampede los. Moderner Journalismus. Mir persönlich ist er zuwider. “Don Dahlmann” schreibt in seinem Blog heute dazu:
Eines der beliebtesten Prinzipien im Mediengeschäft ist: Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern?! So wurde die rotgrüne Regierung von denselben Journalisten erst bejubelt und dann verdammt, der “Neoliberalismus” zunächst gepriesen und dann verurteilt. Vergesslichkeit ist eine Voraussetzung für ständige Aufgeregtheit (-> Hysterie) – so, als sei das, was man gerade in höchsten Tönen lobt oder verdammt, nie da gewesen.
Tja, in unserer Stadt gibt es auch Blätter. Lokalblätter. Voll mit Berichten über Schützenvereine, Dorffeste und Niedlichkeiten. Vielleicht ist die Metropole doch mehr heile Welt als wir alle annehmen. Vielleicht tragen die hiesigen Journalisten aber auch Puschen bei der Arbeit?

Redaktionspuschen. Universalmodell “Bielefeld”. Tragbar in roten, dunkelroten, bunten und schwarzen Blättern.
PS: Gefälligkeits – und Abhängigkeitsjournalismus. Dazu passt wunderbar die heutige Reportage über Kanzleuse Merkels gestrigen Besuch bei Kai Diekmanns Kampfblatt. Der Textausschnitt spricht Bände:
Die Kanzlerin verriet auch, dass sie morgens „als Erstes BILD liest“. Als Dank für den Besuch überreichte Chefredakteur Kai Diekmann Angela Merkel eine Schlagzeile, die ihr besonders gut gefallen hatte: „BILD ernennt Merkel zur Miss World“ – anlässlich des G 8-Gipfels in Mecklenburg-Vorpommern.
Artikel kommentieren »