Auf der Seite “Lokales” der NW von heute findet sich ein Leserbrief von Ayse Köse, der sich unter dem Titel “Toleranz und Weltoffenheit” mit dem geplanten Minarett neben der Vatan-Moschee in BI-Brackwede beschäftigt. “Die Moschee steht sowieso schon da, ob sie auch ein Minarett hat oder nicht, wen stört es?”, schreibt sie. Nun ist allein schon diese Argumentation eher geeignet, den vergnüglichen Wettbewerb “Wer war zuerst da. Huhn oder Ei?” anzuheizen anstatt die Diskussion um das in Brackwede ungeliebte und von der Stadt Bielefeld vorerst nicht genehmigte Minarett zu fördern. Wenn sie dann in der Fortsetzung des Briefes schreibt, anläßlich einer Führung durch die Moschee habe ein ältererer Herr davon gesprochen, die “Moschee sei eine Bereicherung für die Muslime und für ganz Bielefeld”, kann man das ja nachvollziehen. Warum er dann aber für “Toleranz und Weltoffenheit” dankt, verbirgt sich in den Gedankengängen von Ayse. “Toleranz und Weltoffenheit” würden sich doch wohl auch darin ausdrücken, auf den Bau eines in Brackwede fremdartigen und von der Mehrheit der Bevölkerung nicht gewollten Minarettes zu verzichten. Aber soll hier nicht seitens der türkisch-islamischen Gemerinde ein Präzedenzfall für ganz Bielefeld auf Biegen und Brechen geschaffen werden?
Wer aufmerksam der Rede des hysterisch in Köln gefeierten türkischen Politpostars Erdogan in Köln zuhörte (Ja, es gibt Leute, die das fast simultan übersetzen können), kommt an der finalen Botschaft des wortreichen Mannes aus Ankara nicht vorbei: “Ihr lebt zwar in Deutschland. Aber ihr seid Türken und ich bin Euer Ministerpräsident”. Und weiter: “Ich verstehe, dass ihr empfindlich seid, wenn es um Assimilation geht. Keiner darf das von euch verlangen”. Wie “wir Türken” und “ihr Deutschen, Belgier, Holländer” aber mit Menschen, die sich nicht “assimilieren” mögen, besser auskommen sollen, das hat Herr Erdogan nicht gesagt. An dieser Stelle sah das Drehbuch lediglich bunte Lichter und dramatische Musik vor. Und so mancher erinnerte sich in jenem Moment durchaus an ein Thema, das seitens der Erdogan-Regierung in der Türkei und im Nordirak mit Waffengewalt gelöst werden soll: Die Kurden.
Ministerpräsident Erdogan hat seine Landsleute in Köln aufgebaut, den Integrationsbemühungen aber einen Bärendienst erwiesen. Wären nächsten Sonntag Wahlen in Hessen, Roland Koch würde haushoch gewinnen. Es ist legitim, zu Leuten solchen oder solchen Schlages ein durchaus kritisches Verhältnis zu haben und genau hinzuhören, wenn sie ihre donnernden Reden mit wenigen wirksamen Versatzstücken halten. Wölfe fressen bekanntlich zuvor Kreide, wenn sie im Schafspelz auftreten.
Deshalb: Nö Ayse, nö.
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