Da blieb mir fast das Frühstücksbrötchen im Halse stecken, als ich die Anzeige sah: Die Zahl der Neugeborenen ist im Klinikum um ca. ein Drittel zurückgegangen!!! Wo sind sie geblieben, die ganzen Chantals, Leons und Paula-Maries? Anstatt Neugeborenenbabys müssen jetzt schon Füllbilder in Form von Schnullern in die Anzeige eingebaut werden. Ein dramatischer Geburtenrückgang scheint sich in Lippe zu verzeichnen? Stirbt Detmold aus? Und Lemgo dazu? Starr´ vor Schreck sitze ich fassungslos vor meiner Lieblingsanzeige und habe einfach keine Erklärung für dieses Phänomen. Mal abwarten bis nächsten Samstag.
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Überall, wo eine Kamera lauern könnte, ist Goldbeck(chen) da. Ortwin Goldbeck, Präses der Zwangsveranstaltung IHK Ostwestfalen zu Bielefeld. Klar, das ihn auch durchsickernde “moralische Bedenken” der Mitarbeiter in Ummeln zum Bau des NOKIA-Bochum-Killerwerkes in der rumänischen Walachei so gut wie nicht berühren. Man kann den freundlichen Kameragucker mit dem großen Herz für Osteuropa (“Da liegt auch Ostwestfalens Zukunft”) ja auch gar nicht verdammen, hat er sicher auf allerkorrektestem Wege schon vor ein paar Jahren bereits, als die Steuersubventionen noch reichlich nach Bochum zwecks Arbeitsplatzsicherung flossen, die internationale Ausschreibung gewonnen. Unter der Hand ist den Mitarbeitern am Firmensitz in Ummeln dennoch anzumerken, mit einem mulmigen Gefühl durch die Gegend zu laufen. Braucht Ihr nicht, liebe Goldkehlchen. Wenn´s im Osten der EU dank reichlichst von Deutschland seinen Bürger abgepressten und dahin fliessenden Steuern interessant wird, seinen Firmensitz in Cernavoda zu haben, wird Goldbeckchen auch das machen. Immerhin verdienen ja Rumänen “nur ein Zehntel” die Stunde. So wird jede Milchmädchenrechnung interessant. Selbst die der ehemaligen Gummistiefelproduzenten NOKIA, deren Lohnanteil in der Fertigung nicht mal 5% beträgt. Und da ist es auf gut Deutsch scheissegal, wer die Dinger zusammenschraubt. Wir freuen uns aber heute schon auf die Produkte aus der Walachei und ihre Fehlerquote. Vor allem in der Übergangsphase, wenn rumänische Pferdebauern an die Schraubstöcke kommen. Macht aber nichts. Wenn die finnischen Subventionsabgreifer weiterziehen an den Ural, wird auch Goldbeckchen dabei sein. Lächelnd natürlich. Denn da gibt es auch Kameras.
Mit “gemütlich durch die Äcker” wandern ists heut wahrlich nichts. Die unaufhörliche Wasserflut vom ostwestfälischen Himmel läßt auch das letzte Wintergetreide aussehen wie italienischen Reis in gefluteter Poebene. Der Hund mutiert zur überdimensionalen Wasserratte und am notwendigen Schirm zerrt ein kleiner Kyrill. Da setzt man sich doch besser mit einer guten Tasse Kaffee vor den heimischen gedeckten Apfelkuchen vom westfälischen Handwerksbäcker, der noch keinen Ofen in Rumänien betreibt.
Immer noch mieses Wetter und kein Ende. Das war es wohl mit Bären gucken im Heimat Tierpark. Ja, ich weiß, es gibt kein falsches Wetter, es gibt nur die falsche Kleidung. Das hat mein alter Klassenlehrer auch immer gesagt. Er war ein begeisterter Wanderer. Der hat es geschafft, das wir das Bronzene Wanderabzeichen des Wappenwegs inklusive Urkunde bekommen haben. Mit anderen Worten, wenn es hieß, Ausflug sind wir mal nicht eben in einen Zoo gefahren oder allesamt Schwimmen oder im Winter war es üblich, das Klassen den Teuto bestiegen mit Schlitten und einfach nur Spaß hatten. Neee, wir mussten wandern. Wir hatten ihn auch nur 2 Jahre, hat aber völlig ausgereicht, denn er hat es geschafft den nächsten Klassenlehrer zu überreden mitzuwandern. Also 4 Jahre, wenn es hieß, Wanderausflug (ich hasse dieses Wort), ging es den Wappenweg entlang, 78 km rund um Bielefeld. In Worten “ACHTUNDSIEBZIG”.
Die letzten Jahre hatten wir dann einen anderen Klassenlehrer. Der war nicht so fürs wandern, sondern stand für Spaß. Jawohl, den brauchten wir auch und hatten ihn nötig nach 4 Jahren Folter.
Froh waren wir, au ja, und wie. Hätte schlimmer kommen können. Zum Beispiel das er es wieder hätte schaffen können zu überreden. Nur das der neue Lehrer uns für nicht so ambitioniert hielt, das wir bis Ende der Schulzeit den 156 km Hermannsweg ausprobieren wollten, hat uns das Leben gerettet. Demnach konnten wir unserer Teenager-Phase voll ausleben … ohne Wandern.
Eigentlich glaube ich eher, der neue Lehrer hatte keine Lust, aber das ist egal, in diesem Fall sind wir dankbar gewesen, das er UNS als Grund genannt hat, die tollen Ausflugtage nicht mit wandern zu verbringen.




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