Welche Antiquariate vor Ort sind, das ist uns doch wurst und latte, werden jetzt einige sagen: Wir haben ja das gute ZVAB (Zentralverzeichnis Antiquarischer Bücher) und Amazon online, da brauchen wir sowas nicht mehr.
Das ist wohl wahr, wenn man gezielt sucht.
Aber ich und wahrscheinlich nicht nur ich will ja auch mal stöbern, und außerdem kann es in einem solchen Antiquariat recht gemütlich sein.
Schauen wir uns also mal die Kieler Antiquariate der Reihe nach an, und beginnen wir im Osten.
Dort, genauer in Gaarden, finden wir das Zapata. Der Name deutet auf sozialistischen Hintergrund hin, und auch sonst spricht einiges dafür.
Die Regale sind voll, davor stapelt es sich bereits, und mittendrin sitzt ein freundlicher Mensch, der auf jede Frage eine Antwort weiß.
Das Antiquariat in der Dänischen Straße ist anders.
Diese ist keine Bücherkiste, sondern ein geräumiges Geschäft, in dem alles und jeder aristokratisch zurückhaltend wirkt.
Das Angebot ist exquisit. Es reiht sich eine antiquarische Kostbarkeit an die andere.
Für den schmalen Geldbeutel ist weniger dabei.
Das ist eben ein Geschäft, wie man es in der Dänischen Straße, Kiels edelster Meile, erwarten kann.
Begeben wir uns nun in die Holtenauer Straße.
Dort finden wir gleich drei Antquariate. Eines davon, das übrigens eine Filiale am Knooper Weg hat, lassen wir wegen der Unfreundlichkeit der blonden Dame dort rechts liegen und wenden uns dem Buntspatz zu.
Dort sind, wie der Name nahelegt, Kinderbücher ein Schwerpunkt. Aber auch aus allen anderen Bereichen findet man dort einiges.
Eine Zeitlang habe ich Bücher, die ich nicht mehr gebrauchen konnte, verkauft und dabei einige Erfahrungen mit hiesigen Antiquariaten gemacht:
Die Dame im Buntspatz, die übrigens recht scheu und niedlich ist, sieht den Bücher Anbietenden fragend an, während sie in zaghaftem Ton ihr Preisangebot macht. Sie merkt nicht, daß sie damit ihrem Gegenüber mitteilt, daß sie ohne weiteres bereit wäre, wesentlich höher zu gehen. Also geht man um 40 Prozent höher, sie von da aus wiederum um 20 Prozent runter, und so pendelt sich das ein.
Ganz anders Herr Eschenburg in seinem Antiquariat (ebenfalls in der Holtenauer Straße).
Eines Tages sichtete er mein reichhaltiges Angebot, sonderte einiges aus, die er nicht gebrauchen konnte, berechnete den Rest und sagte in festem Ton:
“138.”
Da wollte ich mal auf den Busch klopfen und erwiderte:
“Dafür wären aber 160 durchaus angemessen.”
Darauf er, immer noch feundlich, aber bestimmt:
“Ich passe schon bei 139.”
So willigte ich denn ein. Ehrlich gesagt, erschien mir der Betrag von Anfang an nicht zu gering.
Wenn Ihr Eurerseits etwas verkaufen wollt, das keinen Seltenheitwert hat, könnt Ihr damit rechnen, daß es angemessen ist, wenn ihr dafür vom Antiquar ein Viertel bis ein Fünftel des ursprünglichen Kaufpreises bekommt.
Geht der Antiquar beständig deutlich darunter, dann seid Ihr bei Ihm an der falschen Adresse.
An der richtigen Adresse ist man in jedem Fall bei dem hochintelligenten Herrn Eschenburg, auch dann, wenn es darum geht, zu erfragen, was er alles hat. Er hat seinen ganzen großen Bestand im Kopf. Einmal fragte ich, ob er Isländersagas habe.
Darauf er:
“Nein, nur zwei Ausgaben der Edda.”
Die Antwort ist gleich dreifach gut.
Erstens zeigt sie, daß er den Begriff Isländersagas literaturhistorisch richtig enordnet. Die meisten Antiquare könnten das nicht.
Zweitens verbindet er seine Absage sofort mit einem Angebot. Denn es liegt nahe zu vermuten, daß jemand, der Isländersagas sucht, auch an der (Jüngeren oder Älteren) Edda interessiert ist.
Und schließlich drittens ist seine Antwort Beleg dafür, daß er tatsächlich seinen Bestand im Kopf hat.
Nachdem er aber so geantwortet hatte, ging er kurz an den Bestand, schaute nach und bestätigte dann seinen ursprünglichen Befund.
Er checkte den Bestand aber wohl nicht deshalb, weil er unsicher war, sondern weil er in solchen Fällen denkt:
“Die Kunden werden meinen, diesen beständig sie wandelnden großen Bestand könne einer allein nicht im Kopf haben. Deshalb schaue ich in solchen Fällen noch mal nach oder tue zumindest so als ob, weil die Leute meine Antwort sonst als abweisend interpretieren und nicht wiederkommen.”
Tja, der langhaarige Herr Eschenburg denkt immer an alles. Und er ist, wie gesagt, fair gegenüber den Anbietenden. Außerdem ist sein Angebot immer hochinteressant.
Daher ist für dieses unser Blog dieses Antiquariat
DAS
Antiquariat Kiels.
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