Man muß sich klar machen, was für ein Weltbild in der Tageszeitung dieser Stadt vermittelt wird:
Es ist ein antiaufklärerisches, ein menschenfeindliches.
Beispiel gefällig?
Gern:
KN vom 15. Dezember, Seite 17.
Eine Überschrift dort lautet:
“Richter glaubte nicht an Unschuld”
Ganz so, als gehe es vor Gericht nicht um Wahrheitsfindung, sondern als hänge alles vom Gutdünken weiser Richterpatriarchen ab.
Die dazugehörige Unterüberschrift lautet:
“Zwei Knastbrüder zu Freiheitsstrafen verurteilt”
Knastbrüder?
Ist das die Sprachebene, die man von einer Tageszeitung erwartet?
Aber man vergreift sich hier absichtlich im Ton, um Menschen, die wegen einer Straftat verurteilt sind, ein für allemal zu stigmatisieren.
Weiter im Text:
“Kiel – Freiheitsstrafen von fünf und sechs Jahren verhängte das Kieler Landgericht gestern gegen die beiden Bankräuber von Großenaspe. Die X. Große Strafkammer erkannte auf gemeinschaftliche schwere räuberische Erpressung und glaubte nicht den tränenreichen Beteuerungen des 59-jährigen Fluchtfahreres, er habe von den finsteren Absichten seines Komplizen rein gar nichts gewußt.”
Hier wird es übrigens auch unfreiwillig komisch. Der Mann sollte etwa gesagt haben:
“Ich habe von den Absichten meines Komplizen nichts gewußt”?
Es ist doch wohl nicht anzunehmen, daß sich der Mann durch Verwendung des Wortes “Komplize” selbst verraten hat.
Aber KN-Redakteur Klaus Geyer weiß eben nicht so recht, was er schreibt.
Das entschuldigt aber nicht die Formulierungen “tränenreiche Beteuerungen” und “rein gar nichts gewußt”.
Dem Leser wird damit nahegelegt:
Wer von der Polizei festgenommen und daraufhin angeklagt wird, muß schuldig sein (wenn er nicht Manager oder Priester ist).
Und:
Eine Resozialisierung ist auszuschließen. Denn wenn diese Brüder einmal so sind, dann sind sie immer so.
Ach, es ist ein Kreuz mit dieser Zeitung.
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