Am 29. September um 17.00 Uhr.
Anne Franks Tagebuch, das man nicht so blöde hochtrabend “Das Tagebuch der Anne Frank” nennen sollte, ist eines der wichtigsten Bücher des Zwanzigsten Jahrhunderts.
Kein Mensch, der ein Herz hat, dem es nicht an dieses ginge.
Keiner, der das Gelesene jemals vergessen könnte.
Keiner, der ein Foto der lächelnden Anne Frank ansehen könnte, ohne eine Träne zu verdrücken.
Schon aufgrund der Vitalität der Verfasserin ist dieses Buch vor dem Hintergrund des Wissens um das Folgende so schockierend.
Aber nun möchte ich sinngemäß aus einem Roman des genialen jüdisch-amerikanischen Schriftstellers Kinky Friedman zitieren.
Dort sagt eine der handelnden Personen:
“Ich habe neulich eine Dramatisierung des Tagebuchs Anne Franks gesehen, und es war scheußlich. Die Darsteller waren grausam schlecht. Als schließlich die Deutschen reinmarschiert kamen, riefen die Zuschauer dauernd;
´Sie ist auf dem Dachboden!´”
Da hört der Spaß auf?
Das sehe ich nicht so. Friedman wollte sich hier schließlich nicht über das Schicksal Anne Franks lustig machen. Das kann doch nur der Verbohrteste annehmen.
Vielmehr weist Friedman hier unter anderem darauf hin, daß das gut Gemeinte in diesem Fall seine angestrebte Wirkung verfehlt, vielleicht verfehlen muß.
Denn nur in seiner ursprünglichen Form macht das Werk den Eindruck, der es eben auch berühmt gemacht hat.
Was immer also im Opernhaus realisiert wird: Es kann einen einfachen Lektürehinweis nicht übertreffen, nicht einmal erreichen.
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