Eine Welle der Verachtung brandet tosend im Abendrot.
Eine Fontäne der Verzweiflung speit zornige Parolen.
Im Krater der Gesellschaft brodelt die Wut:
Schimmliges Brot finden wa nich jut!
Max Goldt
Liebe denkende Kiel-Blog-Leser!
Vielleicht wundert Ihr Euch, daß die Kommentare in dieser Publikation seit einigen Wochen mehrheitlich aus Verbaldefäkationen bestehen.
Mit anderen Worten:
Die Verfasser mancher Kommentare sind, vorsichtig ausgedrückt, nur im weitesten Sinne alphabetisiert, kultiviert und zivilisiert.
Ach, jene Mob-Bodensatzteilchen, jene niedrigsten Exemplare der “mortadellafressenden Unterschicht” (Titanic), jene geistig und moralisch inferioren Kreaturen, werdet Ihr jetzt sagen.
Aber Obacht, erwidere ich. Wir wollen doch den Respekt nicht vergessen, der jedem Menschen gebührt.
Bitte?
Es käme Euch nie in den Sinn, den zu vergessen?
[Oh, wie sublim: nicht in den Sinn zu vergessen!]
Ihr wollltet mit Euren Worten vielmehr Eure Frustration darüber zum Ausdruck bringen, daß der Philanthropie im Großen immer wieder Misanthropie im Kleinen entgegenstehen muß?
Dann sind wir uns einig. Ehrlich gesagt, habe ich nichts anderes von Euch erwartet.
Wahrscheinlich werdet Ihr betreffende Kommentare, jene Versuche von Verbalinjurien, die von vertretbarer, aber auch von unvertretbarer, jedenfalls ernster Kritik anderer Verfasser klar zu trennen ist, längst nicht mehr lesen, wenn es sich vermeiden läßt, und ich habe mich Euch inzwischen angeschlossen.
Trotzdem schulde ich Euch wohl eine Erklärung, wie es zu so einer Häufung zunächst niedlicher und hochinteressanter, erst auf die Dauer langweiliger Kommentare kommen konnte.
Ich schrieb halt den einen oder anderen polemischen (Polemik: zentrales Mittel der Aufklärung) Artikel über das eine Unternehmen oder den anderen Verein.
Man fühlte sich erwartbarerweise auf die Krawatte getreten.
Dankbare Lakaien betreffender Unternehemen bzw. mindere Vereinsmitglieder “kommentieren” seither eifrig.
Mit anderen Worten: Ich habe den Köder ausgeworfen, man biß an und zappelt seither am Haken.
(Ich würde meine Intention damit nun auch jenen verraten, von denen hier die Rede ist? Das ist egal, wie sich gleich zeigen wird.)
Es sind übrigens nicht so viele Schreiber, wie es den Anschein hat, aber doch einige. Üblicherweise schreibt jemand unter Pseudonym einen lobenden Kommentar zum Kommentar, den er unter einem anderen Pseudonym geschrieben hat usw. usf.
Aber vielleicht sage ich Euch, liebe denkende Kiel-Blog-Leser, damit nichts Neues. Zumindest werdet Ihr es ungefähr gedacht haben.
Meine These von der uneingeschränkten Argumentationsresistenz des Pöbels, die seitens zweier Freunde auf Widerstand gestoßen war, galt es mit dieser Aktion zu überprüfen.
Sie hat der Überprüfung standgehalten.
(Tja, Elena und Quattro, die Bedingungen unserer Wette waren so klar wie das Ergebnis [und Q. hat es inzwischen eingestanden]: also ran an das Blog, und bitte recht ausführlich.)


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