Ich neulich in der Zentralbücherei der Stadtbücherei Kiel, und zwar gleich am OPAC (Online Public Access Catalogue).
Die meisten von Euch werden sich damit wohl leidlich auskennen: Man klickt einfach auf “Katalogrecherche”, gibt dann einen Suchbegriff (oder mehrere) ein und erhält dann eine bestimmte Anzahl von Treffern, also Titel (nebst anderen Daten) von Medien, die irgendwo den Suchbegriff (die Suchbegriffe) enthalten.
Immer wieder ist übrigens folgendes zu beobachten (obwohl ich nicht zur Indiskretion neige) (übrigens, ich schweife schon wieder ab: Das Versprechen, das die Überschrift enthält, wird später im Artikel eingelöst):
Jemand gibt einen Suchbegriff ein und erhält, sagenwama, 41 Treffer. Das ist ihm vielleicht zuviel oder wie auch immer, jedenfalls gibt er nun zusätzlich zum ersten Suchbegriff einen zweiten ein. Nun aber lautet die Trefferzahl: 0.
Was macht der Mensch aber nun?
Er gibt zusätzlich zu den anderen beiden Suchbegriffen noch einen dritten ein.
Und da offenbar sogar die weitaus meisten Menschen diesen Denkfehler machen, werde ich, der ich in anderen Bereichen meinerseits für Aufklärung dankbar wäre, den jetzt mal erklären.
Also:
Wir nennen den ersten eingegebenen Suchbegriff x, den zweiten y und den dritten z.
Jetzt verbalisieren wir die genannten Suchanfragen.
1. Suchanfrage: Zeige mir alle Datensätz an, die x enthalten. Trefferzahl, wie gesagt, 41.
2. Suchanfrage: Zeige mir alle Datensätze an, die x und y (sowohl x als auch y) enthalten. Trefferzahl: 0.
3. Suchanfrage: Zeige mir alle Datensätze an, die x und y und z enthalten.
Natürlich ist die Trefferzahl auch hier 0. Das ergibt sich schon aus der zweiten Suchanfrage.
Die dritte Suchanfrage (in Verbindung mit der zweiten) ist also so absurd wie folgender fiktiver Dialog in einem Lebnsmittelgeschäft:
Kunde:
Tach, reizende Jungfer, deren schöne Seele sich in den wunderlieblichen Zügen ihres holden Antlitzes spiegelt (diese sonderbare Anrede hat nun mit der Sache so rein gar nichts zu tun, Anmerkung des Verfassers). Ich hätte gern ein Pfund Spargel und zwei Bosköppe.
Verkäuferin:
Bosköppe sind leider aus.
Kunde:
(mit einem zweifelnden Blick auf die Oberweite der Verkäuferin [was wiederum, erneut Anmerkung des Verfassers, mit der Sache nichts zu tun hat]) Nun ja.
Dann nehme ich ein Pfund Spargel, zwei Bosköppe und ein Kilo Erdbeeren.
Zack-Zack.
Seht ihr?
Was ich sagte, bezieht sich natürlich nur auf die voreingestellte Such-Grundfunktion. Es gibt weitere Optionen.
Für Kenner der Boole´schen Operatoren gesagt: Die Grundfunktion, das ist die UND-Verknüpfung. Daneben gibt es als weitere Funktion die ODER-Verknüpfung.
So.
Nun zurück zu meiner Recherche. Egal was ich gerade suchte. Ich erhielt jedenfalls um die 100 Treffer. Und während ich mir die so ansah, merkte ich, dass sie in chronologischer Folge aufgeführt waren.
In chronologischer Folge!
Die ältesten zuerst!
Und dann kommt noch erschwerend dazu, daß man nicht einfach runterscrollen kann, sondern es dauert mit dem mühsamen WEITER drücken die eine oder andere Minute, bis man ganz unten, also bei den aktuellen Medien angelangt ist.
Eine chronologische Folge in einem OPAC war mir noch nicht untergekommen.
Die Umkehrung der chronologischen Folge ist Standard und doch wirklich auch eine Selbstverständlichkeit.
So stehen nämlich die aktuellen Werke oben.
Die Stadtbücherei Kiel dagegen, in der man ja ansonsten auch gewissenhaft und schwer arbeitet, um die Medien zugänglich zu machen, versteckt per chronologischer Aufführung alles Aktuelle unter Bergen von Veraltetem.
Kaum zu fassen.
Ich sprach einen Bibliothekar daraufhin an (ja, es war einer, nicht eine der Aushilfskräfte). Und was replizierte er?
Daß der OPAC in gewissen Abständen gewartet / auf Vordermann gebracht werde, daß das von mir Angesprochene seiner Erinnerung nach schon einmal moniert worden sei und daß das wohl beim nächsten Expertencheck berücksichtigt würde.
Sehr netter Bibliothekar zwar, dennoch ist es bemerkenswert, daß man hier keinen AKUTEN Handlungsbedarf sieht.
Der besteht aber durchaus.
Denn viele, die den OPAC verwenden, werden aufgrund der chronologischen Folge (die sie nicht gleich durchschauen) bald entmutigt aufgeben.
Andere wiederum werden die Umkehrung der chronologischen Folge als Selbstverständlichkeit voraussetzen und gelangen daher nach zwei, drei kurzen Recherche-Checks zu dem Vorurteil, dass der Bestand hoffnungslos veraltet sei.
Konsequenz: Sie suchen die Bücherei nie wieder auf.
Zentralbücherei: Andreas-Gayk-Straße 31
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