StadtBlogs: Regionale deutsche Weblogs

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Die neuesten Artikel aus den StadtBlogs

Fr
3
Mrz '06

Kiel-Blog: Die Kieler und die Freundlichkeit

Unlängst besuchte ich eine Verwandte in einer holsteinischen Kleinstadt.
Als wir gemeinsam ein Geschäft aufsuchten, und sie nach einer Zeitschrift fragte, sagte der Verkäufer, daß er die nicht führe.
Als wir wieder draußen waren, machte sie ihrer Wut über den rüden Ton des Verkäufers Luft. Der war mir kaum aufgefallen, doch nun, da sie es sagte, mußte ich es auch feststellen.
Warum aber war mir das kaum aufgefallen?
Weil ein roher, schnippischer oder wie auch immer unfreundlicher Ton in der Großstadt die Regel ist, sofern nicht der Chef oder die Chefin selbst bedient, denn die haben ja ein besonderes Interesse daran, daß der Kunde wiederkommt.
Das sollten zwar auch die Angestellten haben, denn schließlich hängt vom Erfolg des Unternehmens ihr Arbeitsplatz ab, aber so weit denken sie nicht.
In einer Kleinstadt ist ein so abturnender Ton dagegen die Ausnahme, weil es immer gut möglich ist, daß man mit dem betreffenden Kunden auch in anderer Weise zu tun bekommt: Der Kunde könnte ein späterer Sportkamerad sein, oder der Klempner, der sich für die erlittene Unfreundlichkeit mit Pfusch rächen könnte – oder ein Lehrer, dem man dann beim Elternsprechtag begegnet.

Das alles ist in einer Großstadt wie Kiel so unwahrscheinlich, daß man auf Freundlichkeit als Vorsichtsmaßregel verzichten kann.
Und nur die, die von Natur aus herzlich sind – nebst denen, die klug genug sind, weit genug zu denken, um zu erkennen, daß Freundlichkeit ihren Arbeitsplatz retten kann – erwärmen den Kunden mit ihrer Art.
Es kommt natürlich auch auf die Erscheinung des Kunden an. Jedenfalls habe ich noch nie gehört, daß sich eine schöne Frau je über mangelnde Freundlichkeit eines männlichen Verkäufers beklagt hätte.
Nun bleibt allerdings noch die entscheidende Frage, die ich bis zum Ende des Artikels aufgeschoben habe:
Ist das Problem nicht nur, daß Kiel eine Großstadt ist, sondern ist das Problem, daß Kiel Kiel ist?
Mit anderen Worten: Ist der Kieler tatsächlich im Durchschnitt reservierte, ja patziger als der Durchschnitts-Mitteleuropäer?
Es geht ihm ja ein solcher Ruf voraus. Ich aber möchte die Frage lieber fürs erste offen lassen.

Kiel-Blog: Erhellender Arztbesuch

Ich neulich bei einer HNO-Ärztin in Kiel.
Ich bekäme vielleicht Schwierigkeiten, wenn ich den Namen nennen würde, also lasse ich das und fahre in meiner spannenden, stupenden, erhellenden Erzählung fort:
Ich war angemeldet, mußte aber dennoch eine volle Stunde warten – ein Wort der Entschuldigung löste sich allerdings nicht aus dem Gehege der Zähne irgendeiner der dort Arbeitenden.
Scheint also selbstverständlich zu sein.
Und während ich da so saß und las und sann – bisweilen auch mich wunderte, daß drei Arzthelferinnen auf einmal im Dienst waren, obwohl das, was da zu tun war, locker von einer hätte gestemmt werden können – wurde ich Zeuge des folgenden Dialogs zwischen zwei der angestellten Damen:
“Wer is´ denn da jetzt drinne?”
Jawohl, “drinne” sagte sie, auf das Behandlungszimmer deutend, die andere aber anwortete:
“Bitte nicht stören, Privatpatient!”

Es ist doch schön, wenn man das mal so deutlich präsentiert bekommt: Kassenpatienten sind Patienten zweiter Klasse, und da darf die Arzthelferin jederzeit ins Behandlungszimmer schneien – was sie bei Privatpatienten in jedem Fall unterlassen sollte, wenn ihr ihr Job lieb ist.
Wie schon angedeutet, ist die Praxis gut besucht, und das erlaubt es der Ärztin, wählerisch zu sein.
Also hofiert sie die einträglichen Privatpatienten und mobbt den Rest.
Ob das mit dem hippokratischen Eid vereinbar ist?
Na, jedenfalls fiel mir dabei das Spaß-Schildchen ein, das ich einmal in der Auslage eines Geschäfts gesehen hatte. Darauf stand nämlich:
“Bitte nicht wiederbeleben: Kassenpatient!”

Aber, wie gesagt, den Namen der betreffenden Ärztin will ich nicht nennen, um nicht in des Teufels Küche zu kommen, wo ich wenig Hoffnung hätte, wegen Zähigkeit verschont zu werden.
Nun werden vielleicht manche sagen: Der Fall ist ohnehin klar. So viele weibliche HNO-Spezialisten sind ja nicht in Kiel. Und die Beschreibung läßt im übrigen kaum Fragen offen.
Ist das so?
Soll mir recht sein.

Kiel-Blog: Plattdeutsches Stück in Heikendorf

Die hochengagierte Heikendörper Speeldeel wird am 17.3. um 20.00 Uhr wieder ein Stück uraufführen, das insgesamt fünfzehnmal in der Aula der Grund- und Hauptschule Heikendorf gezeigt werden wird:
“Rismus Rasmus oder De Bandschievenvörfall”.
Ursprünglich ein Boulevard-Stück in englischer Sprache, das von Arnold Preuß ins Plattdeutsche übersetzt wurde. Es ist schließlich kein so weiter Weg vom Englischen zum Plattdeutschen.
Die auf die Zeit der Völkerwanderung zurückgehende Verwandtschaft ist offensichtlich.
Knackpunkt der Geschichte ist, daß ein Mann in der Badewanne seiner Freundin einen Hexenschuß erleidet. Da ist Hilfe weit, der gehörnt Ehemann aber nah. Es folgen Irrungen, Wirrungen, Verwechslungen usw., wie es sich für eine Boulevard-Komödie gehört.
Ich würde mir derlei gewiß nicht ansehen, wenn es auf Hochdeutsch daherkäme, aber auf Platt hat es dann ja doch seinen Reiz.
Dieser Reiz besteht dartin, daß alles Niederdeutsche wie ein Echo aus ferner Zeit wirkt.
Denn auch in Heikendorf, werte Kieler, wird auf der Straße wohl schon seit Jahrzehnten nicht mehr Platt gesprochen. Und das ist bedauerlich.
Eine Zweisprachigkeit wie im süddeutschen Raum, wo alle Dialekt UND Standardsprche leidlich beherrschen, wäre doch auch hier wünschenswert.

Dresden-Blog: Italienisches Flair in Prag…

Na ja, nicht wirklich in Prag, zumindest weiß ich davon nüscht. Dafür aber vom Cafe Prag. Das liegt kurz hinter der Altmarkt-Galerie, wenn man vom Altmarkt kommt, und die Galerie rechts liegen lässt. Früher muss das wohl mal ein alter Festsaal für die Partei-Bonzen gewesen sein, oder so was in der Art, denn es hat für ein Cafe unübliche Ausmaße. Insgesamt drei Etagen, wobei im Erdgeschoss wahrscheinlich wirklich nur Cafe getrunken wird, es stehen zum sitzen nur ein paar kleine Tische zu Verfügung. Ein Stockwerk weiter oben jedoch sind rechts und links neben einer recht ordentlichen Tanzfläche genug Tische, um eine komplette Kompanie zu verkosten. Da drüber gibt es noch mal einen Ring, ähnlich einem Rundbalkon, so dass der eigentliche Hauptsaal mit der Tanzfläche eine ziemliche Deckenhöhe aufzuweisen hat. Kann man sich das jetzt vorstellen, wie ich das meine? Wenn nicht, auch nicht weiter schlimm, man sich das ganze ja mal Live und in Farbe anschauen. Dort gibt es neben Kaffe und Kuchen eben auch noch Pasta und andere italienische Leckereien, auch schon ab 15.oo Uhr. Oliven, aber eben typisch für südländische Kulturen mit Kernen, und Weißbrot werden dann vor dem Hauptgericht gereicht und machen bei mir immer Lust auf mehr. Preise waren okay, dafür das man ja quasi direkt neben der Altstadt speist…